Armut auf Sardinien

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Su Corvu
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Armut auf Sardinien

Beitrag von Su Corvu »

20 Prozent der sardischen Familien leben in relativer Armut, 14,8% über dem nationalen Durchschnitt u. fast doppelt so viele wie in Norditalien (9,2%). Dies ist das Ergebnis der Studie "Arme Familien. Der Einfluss der Inflation auf die Einkommen der Italiener" (Sardiniapost, 8.3.24)

Und gleichzeitig steigen die Lebensmittelpreise kräftig, insbesondere bei Grundnahrungsmitteln: Olivenöl +42%, Vollmilch +33%, Reis +50%
https://www.lanuovasardegna.it/regione/ ... .100486914
Maja
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Maja »

Auch wenn der Beitrag schon älter ist, dürfte er sicher noch immer aktuell sein.
Viele von Euch, die hier leben, kennen bestimmt Einheimische, die mit wenig auskommen müssen.
Habe hier folgenden Fall:
Familie mit zwei schulpflichtigen Mädchen, Eltern verdienen beide, kommen zusammen auf etwa 1800 € netto. Allerdings arbeitet der Mann nur halbtags in festem Verhältnis und verdient sich mit Gelegenheitsarbeiten etwas dazu (Landwirtschaft, Gärtnern), zusätzlich haben sie einen Orangenhain, der zur Erntezeit etwas abwirft. Wohnhaft in Miete (300 €).
Am Monatsende reicht es aber meistens hinten und vorne nicht, nicht einmal zum Essen. Rauchen geht aber noch...
Was meint Ihr? Wirklich arm? Schlecht organisiert? Ausgaben am falschen Ort? Habe keine Vergleichsmöglichkeiten.
Pastorella
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Pastorella »

Die müssen ja zusätzlich zur Miete auch noch Strom und Wasser bezahlen, ein Auto haben sie wahrscheinlich auch, kostet natürlich auch, Schulbücher müssen hier bezahlt werden x2. Ich erlebe hier oft das gebrauchte Schulbücher gesucht werden. Tickets bei Arztbesuchen,Kleidung für Kinder die noch wachsen. Die Lebensmittel sind überall teurer geworden … ich denke da kann man sich vorstellen das es eigentlich knapp an der Armutsgrenze ist :(
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Carlo
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Carlo »

Diesen konkreten Fall kann ich nicht beurteilen, aber es bleibt sicher nicht viel übrig zum Leben.

Eine benachbarte Familie mit einem Kind wohnt im eigenen Haus auf einem 6ha großen Grundstück. Der Mann hat nach eigenen Angaben mit diversen Arbeiten im Bauwesen und der Landwirtschaft ein monatliches Nettoeinkommen (pulito) von 2.000
bis 2.500€. Mindestens die Hälfte davon ist nach meiner Einschätzung Schwarzarbeit. Die Ehefrau (gelernte Kindergärtnerin) arbeitet nicht, die Tochter geht auf die scuola superiore. Das Jammern und Klagen über zuwenig Geld ist an der Tagesordnung. Eine Übersicht über die monatlichen Ausgaben gibt es nicht, eine Planung für zu erwartende Ausgaben erst recht nicht. Ratschläge dazu werden mit den Worten „mit dem Geld ist es wie mit dem Meer - es kommt und es geht” beantwortet.

Ob dieser Fall typisch für Sardinien oder ganz Italien ist weiß ich nicht, zum Nachdenken regt es allerdings an.

Gruß Carlo
Maja
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Maja »

Aber man hätte ja genug Platz, einen Orto anzulegen und wenigstens Gemüse und Kartoffeln anzubauen. Oder vielleicht den Kindern nicht jeden Wunsch zu erfüllen (Ballettunterricht, Tanzschule, I-Phone, Klamotten, etc.).
Meine Eltern z.B. sind um 5.00h morgens aufgestanden, haben den Garten gerichtet und sind dann zur Arbeit gegangen. Abends nochmal. Bevor ich oder meine Familie hungern müsste, würde ich das auch heute noch machen und nicht ganz bequem erst um 9.00h zur Arbeit gehen.
Ein Halbtagsjob mit netto 1250 € ist ja nun sicher nicht schlecht bezahlt, wenn ich lese, dass ein Kurierfahrer das fur 8 Stunden bekommt
Pastorella
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Pastorella »

In unsrer Ecke leiden gerade alle weil eben im orto nichts angebaut werden kann, einmal weil es natürlich billiger ist aus kaufen und zum anderen weil man eben weiß das es unbehandelt ist. Aber ohne Wasser geht es nun mal nicht, und die Preise hier in der Alta Baronia sind sehr gestiegen, hier jammern einige auch eben wegen der höheren Kosten. Sarden jammern manchmal auch gerne, aber Menschen die mit Geld umgehen können oder nicht gibt es überall.
Maja
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Maja »

Im Orangengarten haben sie einen eigenen Tiefbrunnen, also Wasser wäre kein Problem, um einen Orto zu haben. Und erfreulicherweise haben wir im Südosten kein Wasserproblem.
Salamaghe
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Salamaghe »

Hier gibt es einige Familien die kein großes Einkommen haben.
Hier lebt man eher von Tag zu Tag oder Saison nach Saison. Im Sommer wird gearbeitet und verdient und im Winter muss man mit Arbeitslosengeld auskommen, was nicht viel ist.
Da muss im Sommer auch noch was gespart werden, wenn es dann dafür reicht.
Wie jeder mit der Situation umgeht, muss jeder selber wissen.
Ich denke egal wo man wohnt, es gibt immer Menschen die mit wenig Geld auskommen müssen und sie müssen das beste daraus machen.
Ich finde eigentlich, dass hier nicht viel gejammert wird.
Das kenne ich eher aus Deutschland
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Carlo
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Re: Armut auf Sardinien

Beitrag von Carlo »

Ist ein schwieriges Thema. Meine Eltern sind mit zuletzt etwa 1.800€ monatlicher Rente im eigenen Haus in D zurechtgekommen, sie haben sich sogar jährlich einen kleinen Urlaub gegönnt. Nur die Pflege der letzten Jahren im eigenen Haus hat die geringen Reserven schnell aufgezehrt und die Rente und Pflegeversicherung waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Geklagt haben sie nicht.

Gruß Carlo
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