Tierschutz auf Sardinien

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Laura
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Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Laura » 19.09.2018, 16:03

Hallo, ich brauche mal einen Rat.

Ich sehe seit letztem Winter hier im Dorf eine junge Hündin, die leider nicht gut gehalten wird. Sie ist den ganzen Tag in ihrem Zwinger, der völlig verdreckt ist und erst seit kurzem hat sie eine kleine Hütte als Schutz. Wenn man sich den Hund anschaut, sieht man, dass sie nicht gut gefüttert wird, eine Freundin von mir, die nebenan wohnt, bringt ihr immer die Essensreste, weil der Besitzer es nicht auf die Reihe bringt. Der Mann lebt vom Geld der commune und ist schwerer Alkoholiker. Allerdings ist er auch Jäger und will mit der Hündin auf die Jagd. Mir ist klar, dass der Umgang mit Tieren hier anders ist und eine Jagdhündin hier als Nutztier gilt. Mir bricht es allerdings das Herz, dieses entzückende Wesen in diesem Elend zu sehen. Ich habe schon überlegt sie freizukaufen, allerdings stehen meine Chancen da eher schlecht laut Freunden, ich hab auch die Befürchtung, dass er sich direkt einen neuen Welpen holen würde. Die commune hier interessiert sich wohl auch eher nicht für Tierwohlbelange, zumindest nicht die Verpflichtung zu Chips und Registrierung.
Kann man irgendwas tun, um diesem Hund zu helfen bzw hat jemand einen Tipp, mit welchem Argument man dem Typ schmackhaft machen könnte, den Hund abzugeben und das Thema Hunde zu lassen? Ich würde mich auch um sie kümmern...
Viele Grüße Laura

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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Salamaghe » 19.09.2018, 18:07

Hallo Laura,
das wird schwer werden, da Hunde hier quasi als Nutztiere anerkannt werden. Sie sollen bewachen und mit auf die Jagd gehen. Hunde werden grundsätzlich draußen gehalten, es ist für die meisten Sarden unvorstellbar das sie mit im Haus wohnen.
Daher wird der Hundebesitzer kein Einsehen haben, obwohl er den Hund ja sehr schlecht hält. Das machen Gott sei Dank nicht alle.
Evtl. lässt er sich mit Geld locken, aber du schreibst ja selber das er sich dann evtl. wieder einen Hund anschafft. Ich denke nicht das er ein Einsehen hat. Ich kenne hier auch Hunde die nicht gut gehalten werden und es tut mir in der Seele weh, da wir selber zwei haben und diese für uns zur Familie gehören . Ich für meinen Teil habe irgendwie versucht damit zu leben, aber wenn ich irgendwo helfen kann mache ich es natürlich.
Wir haben selbst vor Jahren einen sehr jungen Welpen gefunden, quasi in der Brombeerhecke entsorgt. Wir haben ihn aufgepäppelt und über Niemandshunde nach Deutschland vermittelt. Jetzt lebt er glücklich auf einem Bauernhof.Sowas würde ich immer wieder tun.
Versuche nochmal mit ihm zu reden, aber mehr wird wohl leider nicht möglich sein.
Kerstin

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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Laura » 19.09.2018, 20:07

Liebe Kerstin, vielen Dank für deine Worte.
Mir tut diese Hündin so unglaublich leid und ehrlich gesagt, hab ich mich auch ein bisschen in sie verliebt, genauso wie der Rest der Familie (die mich erstmal für bekloppt gehalten haben, sie da rausholen zu wollen, bis sie sie gesehen haben) und wir würden ihr gern ein schönes, neues Zuhause suchen.
Aber nun gut, ein Freund versucht noch zu vermitteln, ansonsten bleibt wohl leider nur große Säcke Hundefutter zu kaufen und ihm in die Hand zu drücken, damit sie wenigstens nicht mehr hungern muss...

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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Salamaghe » 19.09.2018, 21:26

Laura, ich kann dich gut verstehen. Mir zerreißt es auch immer das Herz.
Ich drücke dir die Daumen das doch noch alles gut wird.
Kannst ja nochmal berichten.
LG Kerstin
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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Casa Sardegna » 19.09.2018, 21:53

Eure Tierliebe in Ehren.
Und natürlich haben die Sarden, speziell die Jäger und Schäfer, ein anderes Verständnis davon, wozu man einen Hund braucht, als der kultivierte Westeuropäer.
Entsprechend werden die Tiere hier wie dort gehalten.

Daran wird sich aber leider auch nichts ändern, indem man jetzt einen der vielen tausend Hunde, die unter gleichen Bedingungen auf Sardinien (und vermutlich im Rest Südeuropas genauso) hausen und leiden, herauspickt und ihm in Deutschland ein besseres Zuhause schafft.

Es gibt auch hier genug Hunde, die nicht artgerecht gehalten werden, nur eben anders "falsch". Nicht zufällig landen vor den Ferien viele dieser Tiere im Tierheim und warten auf eine neues Zuhause. Dann gibt es noch die ganzen Kampfhundrassen, die keiner mehr haben will und ihr Gnadenbrot in einer Tierpension fressen.

Ich würde, so hart es klingt, meinen Einsatz (zeitlich und finanziell) dann lieber in die Hilfe für ein Kind aus Afrika stecken, als in die Rettung eines Hundelebens auf Sardinien. Oder in die Sterilisation von Hunden auf Sardinien, damit nicht noch mehr Tiere nachkommen.

Aber jeder, wie er meint.
Tanti Saluti

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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Laura » 19.09.2018, 22:09

Es geht hier nicht um Auslandsadoption oder die Suche nach einem guten Gewissen. Es ist einfach ein Hund dem es schlecht geht und das vor meinen Augen und dabei ist mir ziemlich egal, ob das in Bayern, Brandenburg oder Sardinien ist, da überlege ich was zu tun. Und auch Nutztiere sehe ich hier eher nicht in solchen Verhältnissen.

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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Casa Sardegna » 19.09.2018, 22:38

Ich kann Dir versichern, dass ich auf Sardinien in Triei mindestens 5 Jäger kenne, die ihre Hunde durchgehend draussen auf dem Landgrundstück an der Kette halten, mit einem kleinen Verschlag als Wetterschutz. Natürlich bekommen die Tiere zu fressen, sie sollen ja am Wochenende mit auf die Jagd. Aber Auslauf an der Leine oder frei kennen diese Hunde nur während der Jagd.

Artgerechte Haltung ist sicherlich anders. Wenn Du die Jäger darauf ansprichst, erntest Du Schulterzucken. Sie finden dieses Leben o.k. für den Hund.
Wenn der Jäger natürlich auch noch das Füttern vergisst, wird´s kritisch. Aber warum sollte er das tun, wenn er den Hund zum Jagen braucht?

Du wirst daran, egal wie engagiert Du jetzt für den Hund vor Deinen Augen kämpfst, nichts daran ändern.
Tanti Saluti

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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Salamaghe » 20.09.2018, 06:44

Casa Sardegna, du hast mich falsch verstanden. Ich sehe es auch kritisch das man alle Hunde nach Deutschland vermittelt. Die Situation auf Sardinien muss sich verbessern. Ich hätte den Hund damals gerne auf Sardinien vermittelt. Aber erst einmal war uns wichtig den kleinen Hund nicht verhungern zu lassen. Es sollte jedes Lebewesen geholfen werden was sich in Not befindet ob Mensch oder Tier. Wir schaffen es schon nicht bei den Menschen, wenn man das ganze Elend auf der Welt sich ansieht.
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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Su Corvu » 20.09.2018, 10:38

Für mich ist die Frage "Nach Deutschland vermitteln oder hier behalten" zu abstrakt. Wir bekamen vor 2 Jahren zwei Maremmano-Welpen geschenkt, einen wollten wir behalten, den anderen wollte meine Cousine mit nach D. nehmen. Hat sie aber nicht getan, daher haben wir die Hündin über "Pro Tier eV." in den Odenwald vermittelt, zwei Maremmanos waren uns zu viel.
Anfang des Jahres ist uns eine Mischlings-Hündin "zugelaufen" (genauer: Sie wurde vor unserer Tür ausgesetzt), die haben wir dann behalten. Die Hunde verstehen sich toll miteinander u. mit unserer Katze.

Die Behandlung von Haustieren auf Sardinien hat sich in den letzten deutlich verbessert, in unserem Dorf gibt es z.B. keine Straßenhunde mehr.
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Re: Tierschutz auf Sardinien

Beitrag von Laura » 20.09.2018, 10:55

@ casa sardegna
Und wenn man nicht jedem helfen kann, sollte man also niemandem helfen? Entschuldige, aber so funktioniert meine Welt nicht. Und ich weiß, wie hier Jagdhunde gehalten werden und finde nicht, dass es den meisten deutschen Großstadthunden besser geht, in einer Handtasche rumgetragen zu werden, ist in meinen Augen auch kein Hundeleben. Aber nun gut, es ging um einen Rat in diesem speziellen Fall (über den im Übrigen auch andere Jäger im Dorf schimpfen und sagen es ist eine Schande) und nicht um eine Grundsatzfrage, ob es sinnvoll ist, Hunde aus dem Ausland zu holen.
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