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Buchbesprechungen

Verfasst: 05.11.2018, 11:55
von Su Corvu
"Sardinien. Eine literarische Einladung", herausgegeben von Michaela De Giorgio und Otto Kalscheuer. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2011. 142 Seiten. Gebunden, 15,90 Euro.
Eine Buchbesprechung findet ihr hier:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/r ... 43060.html

Re: Buchbesprechungen

Verfasst: 12.11.2018, 11:39
von Tina Adler
Auf www.sardinien.com sind auch Buchbesprechungen zu finden und ich habe dort fast alle Bücher mir nach und nach bestellt...Sardinien macht süchtig.

Hier ist eine davon:
http://nachrichten.sardinien.com/2015/1 ... te-in.html

und jetzt so kurz vor der Weihnachtszeit möchte ich doch wieder allen Sardinien Freunden das Buch meiner Freundin Andrea und ihrem Mann ans Herz legen. Es ist bei mir in D und immer wenn ich Heimweh nach Sardinien habe, blättere ich darin herum und notiere, wo ich noch hin will und was ich mir anschauen will auf dieser schönsten Insel der Welt:

https://www.amazon.de/Highlights-Sardin ... %C3%BChrer

Das schwarzschafige Reiseführerbuch finde ich allerdings auch sehr gelungen.

Grüße aus Ballao
Tina

Re: Buchbesprechungen

Verfasst: 12.11.2018, 14:46
von futurestyling
Finde den "schwarzschafigen,etwas " anderen" Reiseführer auch sehr gelungen und empfehlenswert.
Habe das Erscheinen der Erstauflage im Jänner 2017 an die Stadtbücherei in Innsbruck gemeldet,die daraufhin gleich 5 Stück orderte.
Das"erste" hab natürlich gleich ich ausgeborgt und wurde angenehm überrascht. Mir sind es halt ab und an zu viele "mäaah" s",aber wichtig ist ja der Inhalt.Hab dann gleich 2 selbst erstanden,zum schmöckern und mitnehmen.Kann man weiterempfehlen!,lg,Helmut

Re: Buchbesprechungen

Verfasst: 12.05.2020, 12:16
von Su Corvu
Dorf in der Vaucluse.jpg
Dorf in der Vaucluse.jpg (36.76 KiB) 210 mal betrachtet
Dieses Buch hat zwar keinen "Sardinienbezug", das Dorf könnte aber auch in der Barbagia liegen:

Laurence Wylie: Dorf in der Vaucluse. Der Alltag einer französischen Gemeinde. Fischer-Verlag 1978

"Wylie beschreibt das Alltagsleben der Gemeinde Roussillon im südfranzösischen Département Vaucluse. Nach zwei einleitenden Kapiteln zu Geografie und Geschichte des Dorfes, das in dem Buch Peyrane genannt wird, geht er zunächst auf die Lebensabschnitte Kindheit, Schule und Jugend ein. Wylie gab selbst Englischunterricht in der Dorfschule, während sein älterer Sohn die Grundschulklasse besuchte, und lernte so die Realität des französischen Schulwesens kennen. Der größte Teil des Buches widmet sich dann dem Alltagsleben der Erwachsenen, das anhand der Bereiche Probleme und Sorgen sowie Erholung und Vergnügungen im Detail beschrieben wird. Wylie gelingen dabei immer wieder interessante Einblicke, die das Buch auch über seinen soziologischen Gehalt hinaus lesenswert machen"
(Quelle: Wikipedia)

Re: Buchbesprechungen

Verfasst: 12.05.2020, 14:46
von Karin
Hallo Günther,

danke für den Hinweis auf das Buch.
Su Corvu hat geschrieben:
12.05.2020, 12:16
das Dorf könnte aber auch in der Barbagia liegen
Diesen "Sardinienbezug" habe ich selbst erlebt. Zu Anfang der 1980er Jahre hatten wir mehrfach die Provence bereist und kannten auch Roussillion recht gut. Als wir später an die Schulferien gebunden waren, suchten wir uns andere Reiseziele, weil es uns im Sommer damals schon in Südfrankreich zu voll wurde.
Sehr viel später kam ich 2012 erstmalig nach Sardinien und verliebte mich sofort in die Insel. Aber auch Erinnerungen an die Provence kamen dort wie von selbst hoch und so war ich im März 2014 noch mal in der Provence, u. a. auch in Roussillion. Obwohl völlig außerhalb der Saison empfand ich es als ernüchternd. Die Authentizität, die wir so geliebt hatten, war mittlerweile vollkommen dem Tourismus geopfert worden.
Aber: Ich wusste jetzt, wo ich das alte, unverfälschte Lebensgefühl doch noch wiederfinden konnte - auf Sardinien! Mit diesem Versprechen konnte ich auch meinen Mann überreden, mit mir nach Sardinien zu reisen. Er empfindet es genauso und die Insel wurde unser vorrangiges Reiseziel.
Zumindest in unserem Erleben und Empfinden gibt es sehr viele Parallelen zu dem "Dorf in der Vaucluse" von damals.

Liebe Grüße
Karin

Re: Buchbesprechungen

Verfasst: 16.06.2020, 08:22
von Su Corvu
Ernst Jünger und Sardinien

Im „L’Ortobene“ vom 14. Juni erinnert Giovanni Manca an das Werk des deutschen Schriftstellers und Philosophen mit der Rezension “Visioni della ‘Terra Sarda’ negli anni Cinquanta, un’isola lontana dalle modernità”.

„Terra Sarda“, eine Sammlung ausgewählter Texte aus den Tagebüchern Jüngers von seinen drei Sardinienreisen, erschien 1999 im Verlag Il Maestrale in Nuoro. Die Notizen stammen aus „Am Sarazenenturm“, „Sardische Heimat“, „Serpentara“ und „San Pietro“.

Der Autor besucht Sardinien zum ersten Mal im Mai 1954. Nach der Ankunft des Postschiffes von Civitavecchia in Golfo Aranci reist er mit der Bahn und Bussen nach Illador am Golf von Cagliari und mietet sich dort in der einzigen Pension des Ortes ein. Es gibt noch keinen Strom, das Zimmer ist kahl, die Einrichtung besteht aus Bett, Tisch und Stuhl. Im Zentrum des Reiseberichts stehen der Reichtum der Pflanzen- und Tierwelt, die Eigenart und urtümliche Schönheit der Insel, die Charakterzüge der Menschen und ihre Hirtengesellschaft. Jünger speist im Kreis der Mitbewohner, und wir erfahren so von den typischen Gerichten und dem „Vino Nero“ der Region.

Auch in den folgenden Berichten gilt Interesse Jüngers „vor allem der Natur – insbesondere den Blumen und Käfern –, der kulinarischen Kultur sowie der Geschichte resp. der Geschichtsphilosophie und den alten Mythen, die mit den besuchten Orten in Verbindung stehen. Aktuelle Politik und gesellschaftliche Themen sind weitaus weniger präsent. Ein öfter anzutreffendes Motiv ist das Bedauern über die zunehmende Technisierung, wenn er etwa bei seinem wiederholten Besuch Sardiniens verzeichnet, dass in seiner Unterkunft im Vergleich zum Vorjahr mittlerweile elektrisches Licht statt Kerzen verwendet wird“ (aus dem Prospekt des Klett-Cotta-Verlags, in dem sämtliche Werke Jüngers erschienen sind).

Re: Buchbesprechungen

Verfasst: 17.06.2020, 13:05
von Su Corvu
Menschliche Landschaften.jpg
Menschliche Landschaften.jpg (123.05 KiB) 61 mal betrachtet
Marianne Sin-Pfältzer: Sardinien. Menschliche Landschaften. Ilisso-Verlag: Nuoro 2015
400 Seiten, über 327 Abbildungen, davon 132 Tafeln in Schwarz-Weiss und 166 Tafeln in Farbe, jeweils ganz- oder doppelseitig.
Mehr Informationen u. Bestellmöglichkeit http://www.ilisso.it/z/marianne.html

"Eine Meisterfotografin reist durch das Sardinien der Fünfziger und Sechziger Jahre. Auf der Stufe höchsten Könnens spürt sie der Bedeutung dessen nach, was um sie herum geschieht. Über 300 Bilder in Schwarz-Weiss und Farbe aus einem Archiv von über 13.000 zeigen, nicht selten mit feinem Humor, das Leben und das Tun der Menschen: Fischfang, Brotbacken, Keramikherstellung, Weberei, Korbflecht- und Schmucktradition, typische Hausformen, Dorffeste und Prozessionen ebenso wie die Herstellung von Bottarga und Tierglocken, die Verarbeitung von Obst und Gemüse, Herstellung und Export des Schafskäses und vieles andere mehr - auch gänzlich Unerwartetes wie die Jugendproteste von 1968. Es ist ein bisweilen intimes Portrait der Insel, wie es vielleicht nur eine Frau fotografieren konnte. Ein Glücksfall für die Insel in ihren beiden glücklichsten Jahrzehnten - befreit von der jahrtausendelangen Geißel der Malaria und unbeschwert von den Änderungen, die Industrialisierung und Tourismus bringen werden. Es sind die Schlüsseljahre für jeden, der Sardinien umfassend kennenlernen und verstehen will. In einem profunden Essay führt der sardische Schriftsteller, Dichter und Anthropologe Giulio Angioni durch diese reiche Bilderfolge, einfühlsam und leidenschaftlich, aber stets frei von falscher Nostalgie. Aus zahllosen Interviews mit Marianne Sin-Pfältzer fügt der Fotohistoriker Salvatore Novellu eine Biografie der Fotografin" (aus der Verlagsankündigung, der Text ist wohl von Rainer Pauli)

Dem ist nichts hinzu zu fügen. Außer dem: Der Titel "Menschliche Landschaften" ist treffend, denn die Fotos spiegeln den lebendigen Alltag wieder, anders etwa als bei dem von mir ebenfalls geschätzten August Sander, dessen Bilder statische Portraits sind.